Stolperstein-Verlegung durch die Courage AG

In diesem Schuljahr hat die Courage AG – unterstützt durch Sophia Schmitz von der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin – ein neues Stolperstein-Projekt angestoßen.
Am 12.02.25 wurden vor der Otto-Braun-Str. 86 Stolpersteine für Arthur und Martha Michelsohn sowie für Ignatz und Hedwig Weisz verlegt.

Die Aktionstag begann zunächst mit einer Veranstaltung in der Schule. Nachdem die Schüler:innen – unter Begleitung des Songs Stolpersteine von Trettmann – aus dem Unterricht begleitet wurden, fand auf dem kleinen Schulhof eine Rede statt, die sowohl die Bedeutung der Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialist:innen und ihren Helfer:innen hervorhob als auch auf den auch heute noch existierenden Antisemitismus und Rassismus in unserer Gesellschaft verwies.


Anschließend machte sich eine Gruppe des Andreas-Gymnasiums auf den Weg zur Otto-Braun-Str., wo die Verlegung stattfinden sollte. Vor Ort warteten bereits das Team der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin.

Die Verlegung selbst wurde begleitet, indem Schüler:innen der Courage AG die Biographien der betroffenen Personen vortrugen und an deren Leid erinnerten.


Die Geschichte(n) der Familien Weisz und Michelsohn stehen exemplarisch für den Wahn der Nationalsozialist:innen, die bis zum Ende an ihre Ideologie glaubten und diese bis in die letzten Kriegstage hinein wahnhaft verfolgten.

Arthur Michelsohn war jüdischer Herkunft und lebte mit seiner nichtjüdischen Ehefrau Martha Michelsohn in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“. Trotz dieser rechtlichen Sonderstellung war ihr Leben von Entrechtung, Isolation und Angst geprägt. Arthur durfte seinen Beruf nicht mehr ausüben, wurde aus der Gesellschaft ausgeschlossen und war permanenter Bedrohung ausgesetzt. In den letzten Kriegsmonaten suchte er regelmäßig mit anderen Verfolgten Zuflucht in einem Luftschutzbunker.
Doch am 1. Mai 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende, wurde er zusammen mit drei weiteren jüdischen Männern von einem SA-Trupp gewaltsam aus dem Bunker gezerrt und verschleppt. Drei Wochen später wurden ihre entstellten Leichen gefunden. Heute erinnert ein Stolperstein in der Otto-Braun-Straße an ihn.

Martha Michelsohn, die nichtjüdische Ehefrau von Arthur Michelsohn, blieb trotz aller Drohungen an seiner Seite. Ihre Ehe wurde von den Nationalsozialisten geduldet, aber sie war massiven Repressionen ausgesetzt und stand unter enormem Druck, sich von Arthur scheiden zu lassen. Doch sie hielt zu ihm, teilte mit ihm die Isolation und Angst. Nach seiner Verschleppung und Ermordung musste sie alleine weiterleben und die schmerzhaften Folgen der nationalsozialistischen Verfolgung ertragen. Sie überlebte den Krieg und starb erst viele Jahre später. Ein Stolperstein in der Otto-Braun-Straße erinnert an das Schicksal vin ihr und ihres Mannes.

Ignatz Weisz, ebenfalls jüdischer Herkunft, war mit der nichtjüdischen Hedwig Weisz verheiratet. Auch er lebte unter den brutalen Schikanen der Nationalsozialisten. Obwohl ihn die „privilegierte Mischehe“ eine Zeit lang vor Deportation bewahrte, war sein Leben von Angst, Armut und Ausgrenzung geprägt. In den letzten Kriegstagen versteckte er sich mit anderen in einem Luftschutzbunker. Doch die SA stürmte das Versteck und verschleppte ihn zusammen mit den anderen jüdischen Männern. Drei Wochen später fand man seine Leiche, entstellt und gezeichnet von der Grausamkeit der Täter. Ein Stolperstein in der Otto-Braun-Straße hält heute die Erinnerung an ihn wach.

Hedwig Weisz, die nichtjüdische Ehefrau von Ignatz Weisz, musste mit ansehen, wie ihr Mann verschleppt wurde. Auch sie hatte jahrelang unter Druck gestanden, sich von ihm zu trennen, doch sie hatte sich geweigert. Sein Tod nahm ihr jede Hoffnung. Am 29. Juni 1945 starb sie – ob aus Verzweiflung oder an den Folgen der Entbehrungen der letzten Kriegsmonate, bleibt ungewiss. Ein Stolperstein in der Otto-Braun-Straße erinnert heute an sie und ihren Ehemann Ignatz Weisz.


Die Verlegung der Steine wurde nicht nur von interessierten Schüler:innen des Andreas-Gymnasium begleitet, sondern auch vom Presseteam des Bezirks und der Bezirksbürgermeisterin Clara Hermann (Die Grünen).

Steht auf gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass. Wir tun es auch!
Die Courage AG